Mittwoch, 22. Juni 2011

Scientology Sekten Streit


Feind Nummer eins

Von Schuler, Thomas
Zwischen Scientology und der "St. Petersburg Times" in Florida tobt ein erbitterter Kampf: Der Glaubenskonzern kauft sich renommierte Journalisten, die den Kritikern der Sekte Recherchefehler nachweisen sollen.
Ben Shaw demonstriert Offenheit. Mit leiser Stimme und freundlichem Lächeln führt er durchs Fort Harrison Hotel: Marmor aus Spanien, Teppiche aus Südafrika, ein Lüster aus 12 000 Kristallen im großen Ballsaal - 40 Millionen Dollar hat sich seine Scientology-Sekte die Renovierung ihrer Zentrale im Städtchen Clearwater im US-Bundesstaat Florida kosten lassen.
Oben, in der zehnten Etage, lässt Scientologe Shaw die Türen vom Sicherheitsdienst entriegeln, und fast alles, was man von der Dachterasse aus sieht, gehört irgendwie dem Konzern. Shaw streckt den Arm aus: "Das hier ist unser Erweiterungsbau, dort drüben liegt das Oak-Cove, ein weiteres Hotel für unsere Mitglieder, hier sehen Sie unser Ausbildungszentrum und dort hinten …"
Die halbe Stadt scheint die Sekte für sich erobert zu haben, seit ihr Gründer, L. Ron Hubbard, im Jahr 1975 einen Ort mit Hafen für seine Jünger suchte - und in Clearwater hängenblieb.
In Phantasie-Marineuniformen eilen junge Scientologen unten durch die Straßen, unterwegs von einem Seminar zum nächsten. Ihr Glaubenskonzern besitzt 54 Gebäude im Ort; in der Region leben rund 10 000 Scientologen. "Scientology's Town" nannte es die Lokalzeitung "St. Petersburg Times". Und ausgerechnet die entzieht sich dem Einfluss der Sekte.
Die "Times" gilt als eine der besten Lokalzeitungen der USA und gehört einer Journalistenschule - dem Poynter Institute. Ihr einstiger Verleger Nelson Poynter wollte mit der Konstruktion verhindern, dass seine Erben die Gewinne entnehmen. "Ich kenne meine Urenkel nicht", soll Poynter mal gesagt haben, "und es könnte sein, dass ich sie nicht leiden kann."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77745577.html
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